Unser Team der Saison
2003/2004


Trainer
Name: Butch Goring


















Interviews mit dem Krefelder Coach beinhalten oft einen Kameraschwenk auf seine Hand, an der oft ein dicker Ring zu finden ist: Ein Stanleycup-Ring und der weist ihn als Mitglied des elitären Clubs der Personen aus, die die begehrteste Eishockeytrophäe der Welt schon erringen konnten. Doch Goring zählt nicht zu der Gruppe von Spielern, die einmal zufällig als Mitläufer im richtigen Team waren, er war einer der Leistungsträger eines der besten Teams der Geschichte und konnte diesen Titel gleich 4 Mal in Serie gewinnen und gehört daher in einen Atemzug mit Namen wie Gretzky, Messier, Bossy, Trottier, Fuhr, Coffey und ähnlichen!

Eigentlich galt der am 22.10.1949 in St. Boniface, Manitoba (Kanada) geborene Torjäger mit 178 cm Körpergröße als eher zu klein für die beste Liga der Welt. Doch schon zu Beginn seiner Karriere machte er dies durch viel Einsatz, unbändigen Willen und eine enorme mentale Stärke wett. Dennoch musste er bis zur 5. Runde des 1969er Drafts warten, ehe die Los Angeles Kings seinen Namen aufriefen und sich so seine Rechte sicherten. Doch vergleicht man die damals wesentlich kleinere Liga mit der heutigen Zeit, so relativiert sich auch dies: Die 51. Gesamtposition würde heute der zweiten Runde entsprechen!

Spätestens ab 1971 zeigte sich dann, dass die Kings durchaus ein sehr sicheres Händchen hatten, als sie ihn zogen. Er spielte insgesamt 11 Jahre (1969-1980) für das Team aus der Filmstadt und konnte vom erwähnten Jahr 1971 an immer mindestens 20 Treffer verbuchen. Gar 30 Treffer oder mehr erreichte er ebenfalls 5 Mal in Folge (1975-79). Außerdem konnte er in seiner Zeit bei den Kings gleich zwei Persönliche Auszeichnung, sogenannte Trophies erringen. 1978 bekam er sowohl die Lady Bing Memorial Trophy (als fairster Sportsmann der Liga und „Gentleman“ auf dem Eis) als auch die Bill Masterson Trophy (Sportsgeist und Führungsqualitäten) zugesprochen. So etablierte er sich als Torjäger, insbesondere aber als Leadertyp in der Elite der Liga und folglich zeigten viele andere Teams Interesse an ihm. Letztlich kam es dann wie erwähnt im Frühjahr 1980 zu dem Trade, der aus dem Spitzenspieler Butch Goring den Teil einer Legende machte. Die New York Islanders, mit einem Kader aus Ausnahmespielern wie Mike Bossy, Brian Trottier oder Steve Potvin suchten noch den letzten Stein im Mosaik einer Eishockeydynastie und glaubten diesen in dem kleinen Kämpfer Goring gefunden zu haben. Mit Billy Harris, ebenfalls ein guter Scorer, und Verteidiger Dave Lewis (heute Coach des Top-Teams Detroit Red Wings) war man bereit, gute Spieler für ihn abzugeben, doch Butch rechtfertigte dieses Vertrauen. Vier mal, von 1980-83, konnten die Islanders wie gesagt den Titel erringen, Goring gehörte insbesondere in den Playoffs regelmäßig zu den Topspielern und wurde dafür im Jahr 1981 mit seiner dritten Trophy, der vielleicht wertvollsten überhaupt, ausgezeichnet: Er bekam die Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler der Playoffs. In den Playoffs 1984 endete dann die Dynastie der Islanders und wurde von einer neuen abgelöst, als die berühmten Edmonton Oilers um Wayne Gretzky ihre Dominanz begannen. So blieb es bei vier Meisterschaften für Goring und im Jahr 1984/85 wechselte er zu den Boston Bruins, wo er nach der Saison seine ruhmreiche Karriere beendete und hinter die Bande wechselte. Er wurde sofort Cheftrainer und war durchaus erfolgreich, als er sein Team in die Playoffs führte. Doch der Saisonstart im Jahr 1986 misslang völlig und er musste früh seinen Hut nehmen. Butch wechselte daraufhin zunächst ins Lager der Junioren und coachte das Team der Spokane Chiefs (WHL). Die dortigen Erfolge sorgten dafür, dass er über die Capital District Islanders (AHL) und Las Vegas Thunder (IHL) zu den Denver Grizzlies (IHL) kam, wo er zwei Mal die Commissioners’ Trophy als bester Coach erringen konnte. Außerdem konnte er in seinen 5 Jahren bei dem Team, das während seiner Ägide nach Utah umzog und fortan als Utah Grizzlies firmierte, zwei Mal den IHL-Titel erringen. Diese tollen Leistungen qualifizierten ihn für ein erneutes NHL-Engagement. Er kehrte an die Stätte seiner größten Erfolge zurück und heuerte 1999 bei den New York Islanders an. Allerdings stellten diese mittlerweile keine Startruppe mehr. Vielmehr waren die Isles mittlerweile ein „Low Budget Team“ und für das Tabellenende fest gebucht. Auch Goring konnte daran nichts ändern und so endete sein erneuter Aufenthalt auf Long Island im Jahr 2001.

Butch wollte nicht zurück in die Minors und suchte folglich eine neue Herausforderung in Europa. Zunächst übernahm er kurz vor Ende der Saison 2001/02 die Frankfurt Lions. Diese waren aber schon so weit abgeschlagen, dass selbst die guten Leistungen unter seiner Regentschaft das Team nicht mehr in die Playoffs führen konnten. Da man im folgenden Jahr auf den ehemaligen Mannheimer Meistercoach Lance Nethery setzte wurde sein Vertrag am Main nicht verlängert. Viele Fans waren enttäuscht, dass der erfolgreiche und sehr offene Trainer den Verein verlassen musste, aber für den KEV erwies es sich als Glücksfall. Als es sportlich nicht lief wie gewünscht, da entschieden sich die Pinguine kurz nach der Deutschlandcup-Pause, den sportlichen Stab weiter zu verstärken. Die Chance, einen so etablierten Fachmann wie Goring zu bekommen wollte man einfach nicht verstreichen lassen und installierte ihn als sportlichen Leiter. Doch in der Folge gab es einige sportliche Enttäuschungen und einigen Ärger hinter den Kulissen, was letztlich zur Trennung vom damaligen Trainer Chris Valentine führte. Goring wechselte hinter die Bande und formte das Team zu einer echten Mannschaft. Er ließ kontrollierter und körperbetonter spielen und langsam wurde das Team immer kompakter. Die Playoffs wurden zwar erst am vorletzten Spieltag gesichert, aber die Ausrichtung war hauptsächlich auf die Fitness im März/April ausgerichtet. Dies bekamen die Gegner aus Düsseldorf, Berlin und Köln zu spüren und durch ein überlegenes System, eine hervorragende Motivationsfähigkeit und viel Leidenschaft konnte der Titel nach Krefeld geholt werden.

Goring gilt landläufig als der Hauptverantwortliche für diese Sensation und so zögerten die Verantwortlichen nicht lange, ihn auch langfristig an den KEV zu binden. Zwei Jahre läuft sein Vertrag, beinhaltet aber eine Option auf Vertragsverlängerung. Sicher ist Goring der profilierteste Trainer, der je in Krefeld arbeitete und in jedem Falle ist er auch der erfolgreichste seit über 50 Jahren!

[zurück]